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Loveparade: Geschichte 2003
Home Loveparade - Bilder 2004 2003 2002 2001 2000 1999 1998
- Geschichte 04 03 02 01 00 99 98 97 96 95 94 93 92 91 90 89

pict

12. Juli, 2. Juliwochenende
Teilnehmer: 750.000
Ort: Berlin
Strecke: Strasse des 17. Juni
Motto: Love Rules
Wagen: 30

Die Loveparade 2003 hatte es wiedereinmal im Vorfeld schwer. Um den massenhaften illegalen Verkauf von Getränken Herr zu werden errichte der Veranstalter einen Zaun um die Loveparade-Strecke herum. Die Loveparade blieb aber trotzdem kostenlos. Der Zaun war ein Erfolg, die Einnahmen blieben aber trotzdem hinter den Erwartungen zurück. Das kann mit der Teilnehmerzahl zusammenhängen.

Die Teilnehmerzahl wurde wieder kontrovers diskutiert. Von 500.000 (ZDF, Welt.de) bis 750.000 (Veranstalter) Leuten reichte die Angabe.

Auch die Wagenzahl nahm ab. 30 Wagen, das 10 Wagen weniger als 2002. Ein Problem der Wagen waren die Kosten. Weil sich weniger Sponsoren fanden und das "Geld einfach nicht mehr so locker sitzt" mussten einige Wagenprojekte gekippt werden.

Die Veranstalter zogen eine positive Bilanz. Die Schlussfolgerung für das Folgejahr konnte aber nicht eingehalten werden: "In jedem Fall werde es deshalb auch im nächsten Jahr wieder eine Love Parade geben, sagte Parade-Sprecher Jürgen Scheunemann." nach der Parade.


Es folgen einige Meldungen aus den Techno.de News und weiteren (Online)Zeitschriften, die einen Überblick über die Loveparade 2003 geben sollen. Wie war die Stimmung im Vorfeld, wie hinterher, welche Chancen und Schwierigkeiten gab es 2003:

Techno.de News vom 4.7.2003:
Das Line-Up zur Abschlussveranstaltung zur Loveparade am 12.7.2003 in Berlin sieht wie folgt aus:

18.00 Uhr - 18.20 Uhr: Umek
18.20 Uhr - 18.40 Uhr: La.Di.Da
18.40 Uhr - 19.00 Uhr: Chrysler
19.00 Uhr - 19.20 Uhr: Moguai
19.20 Uhr - 19.40 Uhr: Tomcraft
19.40 Uhr - 20.00 Uhr: Rush
20.00 Uhr - 20.05 Uhr: Rede Motte
20.05 Uhr - 20.25 Uhr: Tom Novy
20.25 Uhr - 20.45 Uhr: Lexy
20.45 Uhr - 21.05 Uhr: Felix da Housecat
21.05 Uhr - 21.25 Uhr: Chris Liebing
21.25 Uhr - 21.45 Uhr: Hell
21.45 Uhr - 22.05 Uhr: Pete Tong
22.05 Uhr - 22.25 Uhr: Roger Sanchez
22.25 Uhr - 22.45 Uhr: WestBam
22.45 Uhr - 23.05 Uhr: Paul van Dyk
23.05 Uhr - 23.25 Uhr: Motte
23.25 Uhr - 23.30 Uhr: Love Parade Anthem und Verabschiedung

Techno.de News vom 7.7.2003:
Die Wagenliste 2003 der Berliner Loveparade steht. Zu kleineren Änderungen kann es noch kommen, so steht z. B. der Delirium Truck auf der Kippe. DieFloatswerdensichum18.00UhrzurAbschlusskundgebung am Grossen Stern sammeln.

Sortierung nach Abfahrtsstationen:

Abfahrt: Ernst Reuter Platz, pünktlich14 Uhr
(Wagennummer / Wagenname)
1 Loveparade
3 Wmf/Cyderdelic_uk
5 Vollbrecht
7 Sunshine Live
9 Digital Records
11 Future Club Dänemark
13 Electric Kingdom
15 Hugon
17 Blank & Jones/Generation Europe
19 D3000
21 Clubvision
23 Qtrax/Reincarnation
25 Raveline
27 Kufa
29 Kremlin@Ameland

Abfahrt: BrandenburgerTor, pünktlich14 Uhr
(Wagennummer / Wagenname)
2 Space Ibiza
4 Tunnel 1
6 Tunnel 2
8 Club Xs
10 Axisred Records
12 Raveattack
14 Partyersatzamt
16 Club Achtermai
18 Fandango/Jim TV Belgien
20 Lovebase,
22 Partysan
24 Pascha/Sage
26 Ravers United
28 Kne'Deep
30 Delirium Ffm

Sortierung nach Wagennummern:

1 Loveparade
2 Space Ibiza
3 Wmf/Cyderdelic_uk
4 Tunnel 1
5 Vollbrecht
6 Tunnel 2
7 Sunshine Live
8 Club Xs
9 Digital Records
10 Axisred Records
11 Future Club Dänemark
12 Raveattack
13 Electric Kingdom
14 Partyersatzamt
15 Hugon
16 Club Achtermai
17 Blank & Jones/Generation Europe
18 Fandango/Jim TV Belgien
19 D3000
20 Lovebase
21 Clubvision
22 Partysan
23 Qtrax/Reincarnation
24 Pascha/Sage
25 Raveline
26 Ravers United
27 Kufa
28 Kne'Deep
29 Kremlin@Ameland
30 Delirium Ffm

Abgesagt haben:
Vandit/Paul van Dyk, European Event, Noisegate, Die Jungen Katholiken

Wagen, die in den letzten 2 Jahren mitfuhren, 2003 aber nicht:
- Nature One
- Lovestern Galaktika
- Airport Würzburg
- A9 Bayreuth
- Hugon
- BBC Radio 1
- Ministry of Sound
- Bonzai

Techno.de News vom 12.7.2003
Einen Presse-Überblick über den Stand "Nach der Parade" geben die wichtigsten Tageszeitungen und TV-Kanäle. Wir haben die Statements zusammen gefasst:

Stand Sonntag 13-07-03 0:30 Uhr

* n-tv.de
Hunderttausende Raver
Techno-Rausch in Berlin Mehr als eine halbe Million Raver sind bei der 15. Love Parade friedlich durch Berlin gezogen. Unter dem Motto "Love rules" ("Liebe regiert") tanzten die Techno-Fans auf der Straße des 17. Juni durch den Tiergarten. Bei Unfällen wurden zwei Raver schwer verletzt. Die Veranstalter zogen eine positive Bilanz: Zur Abschlusskundgebung am Abend hätten sich noch einmal fast 750.000 Raver versammelt.

Samstag, 12. Juli 2003
Hunderttausende Raver
Techno-Rausch in Berlin Techno-Rausch in Berlin: Mehr als eine halbe Million Raver sind am Samstag bei der 15. Love Parade friedlich durch Berlin gezogen. Unter dem Motto "Love rules" ("Liebe regiert") tanzten die Techno-Fans auf der Straße des 17. Juni durch den Tiergarten. Bei einer musikalischen Abschlusskundgebung an der Siegessäule standen am Abend internationale DJs an den Plattenspielern. Überschattet wurde die Parade von Unfällen, bei denen zwei Männer schwer verletzt wurden.

Die Veranstalter zogen eine positive Bilanz: Zur Abschlusskundgebung am Abend hätten sich noch einmal fast 750.000 Raver versammelt, ähnlich viele wie im vergangenen Jahr. In jedem Fall werde es deshalb auch im nächsten Jahr wieder eine Love Parade geben, sagte Parade-Sprecher Jürgen Scheunemann. In den Spitzenjahren hatte das Fest bis zu 1,5 Millionen Besucher angezogen.

Love-Parade-Erfinder Dr. Motte forderte seine Anhänger auf, mit Respekt und Geduld für den Frieden in der Welt zu kämpfen. "Wir konnten den Irak-Krieg mit unseren Demonstrationen nicht verhindern, wir können den weltweiten Terror nicht verhindern ", sagte er. Das Motto der Love Parade "Love rules" bedeute, dass "wir weltweit eine große Familie sind". Jeder einzelne trage deshalb Verantwortung für die Welt. "Mit Kriegen löst man keine Probleme, mit Terror überzeugt man niemanden. Die Alternative kann nur heißen: Liebe und Respekt, Verständnis und Geduld."

Punkt 14.00 Uhr waren die "Lovetrucks " mit den riesigen Lautsprechern am Ernst-Reuter-Platz und am Brandenburger Tor gestartet. Mit rund einer Million Watt beschallten die 28 Paradewagen die Raver. DJs aus Deutschland, Großbritannien, Dänemark, Italien, Spanien und den Niederlanden heizten der Menge ein. Auch ein kräftiger Regenschauer störte die Laune der Feiernden nicht.

Zu einem schweren Unfall kam es, als ein betrunkener 31-jähriger Raver in der Innenstadt von einem Brunnen fiel. Dabei verletzte er sich nach Polizeiangaben lebensgefährlich am Kopf. Ein anderer Technofan fiel an der Paradestrecke von einer Laterne und verletzte sich schwer an der Wirbelsäule.

Bei den Drogen löste der Alkohol das synthetische Rauschmittel Ecstasy ab. "Die Leute schlucken weniger Pillen, aber trinken mehr", sagte eine Malteser-Sprecherin. Der Malteser Hilfsdienst behandelte 403 verletzte Raver, 45 von ihnen wurden wegen Kreislaufkollaps oder kleinerer Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Das entspricht ungefähr den Zahlen vom Vorjahr.

Der Malteser Hilfsdienst war mit insgesamt 950 Sanitätern, Ärzten und Notfallseelsorgern im Einsatz. Die Polizei setzte 1.600 Beamte ein. Die Drogenkriminalität ging dieses Jahr deutlich zurück. Bis zum Abend nahm die Polizei 32 Personen fest, davon allerdings nur wenige wegen Drogenhandels. Den meisten Festgenommenen wird Körperverletzung oder Sachbeschädigung vorgeworfen.

* netzeitung.de/

Zwei schwere Unfälle auf der Love Parade Zwei Besucher der Love Parade in Berlin haben sich schwer verletzt. Ansonsten verlief die größte Techno-Tanzparty der Welt friedlich und ohne nennenswerte Zwischenfälle.

Zwei schwere Unfälle auf der Love Parade

Zwei Besucher der Love Parade in Berlin haben sich schwer verletzt. Ansonsten verlief die größte Techno-Tanzparty der Welt friedlich und ohne nennenswerte Zwischenfälle.

Die 15. Love Parade in Berlin ist von zwei schweren Unfällen überschattet worden. Ein betrunkener 31-Jähriger stürzte noch vor dem Beginn der Tanzveranstaltung am Breitscheidplatz von einer Mauer und erlitt lebensgefährliche Kopfverletzungen.

Auf der Paradestrecke kletterte außerdem ein Raver auf eine Ampel, verlor das Gleichgewicht und stürzte rücklings in die Menge. Er musste wegen schwerer Wirbelsäulenverletzungen behandelt werden.

400 Sanitäter-Einsätze, 30 Festnahmen

Ansonsten verlief größte Techno-Party der Welt, die um 14 Uhr begann, in diesem Jahr friedlich und ohne dramatische Zwischenfälle. Der Malteser-Hilfsdienst zählte bis zum späten Nachmittag 400 Einsätze. Kreislaufprobleme und Verletzungen wie Schnittwunden, aber auch Alkoholmissbrauch waren die häufigsten Anlässe.

Nach Angaben der Polizei wurden bis zum Abend rund 30 Parade-Teilnehmer wegen Drogendelikten festgenommen. Erstmals hatten die Veranstalter einen Zaun an der Paradestrecke errichtet; er sollte Denkmäler und Grünflächen schützen und Getränke-Schwarzhändler fernhalten.

Rund 500.000 tanzende Teilnehmer

Für die Organisatoren war die Love Berlin abermals ein Erfolg. Eine halbe Million Fans aus dem In- und Ausland tanzte unter dem Motto «Love Rules» über die Straße des 17. Juni im Stadtteil Tiergarten.

Damit wurden die Erwartungen an die Teilnehmerzahl knapp erfüllt. Im Vorfeld war geunkt worden, dass das Techno-Event in diesem Jahr deutlich weniger Besucher anziehen würde als in den vergangenen Jahren.

Weniger Lautsprecherwagen als früher

Auch das Wetter spielte mit - jedenfalls die längste Zeit. Gegen Abend ergossen sich zwar Regenschauer über die Partygemeinde. Weil sie aber nach kurzer Zeit wieder nachließen, konnte dies die Begeisterung der meisten Teilnehmer kaum abkühlen.

Zu stampfenden Beats aus den Lautsprechern von insgesamt 30 «Liebes-Trucks» tanzten die Raver - die meisten in phantasievollen und teilweise sehr freizügigen Kostümierungen - über die Straße. Die Zahl der Lautsprecherwagen war allerdings geringer als in den Vorjahren: Viele Musik-Labels, die mit sinkenden Umsätzen wegen raubkopierter Platten zu kämpfen haben, verzichteten auf eine Teilnahme.

Dr. Motte: «Größte Friedensdemo der Welt»

Das Sendungsbewusstsein des Love-Parade-Erfinders Dr. Motte wurde dadurch nicht geschmälert. In seiner traditionellen Rede auf der Abschlusskundgebung an der Siegessäule sprach er von «der größten Friedensdemonstrationen der Welt». Das Fest beweise, dass Hunderttausende friedlich zusammen feiern können. (nz)

Berlin im Love-Parade-Fieber 12. Jul 14:24 Raver vor dem Start der Love Parade Foto: ddp Zum 15. Mal ist in Berlin die Love Parade gestartet. Hunderttausende Raver feiern zur Stunde bei Techno-Beats auf der Straße des 17. Juni. Berlin liegt wieder im Raver-Fieber. Unter dem Motto «Love Rules» begann um 14 Uhr in der Hauptstadt die diesjährige Love Parade. 30 Wagen mit DJs und hunderttausende Raver ziehen über die Straße des 17. Juni in Richtung Siegessäule. Dort ist gegen 18 Uhr die Abschlusskundgebung geplant.

Love-Parade-Erfinder Dr. Motte, der den Umzug zum 15. Mal organisierte, will gegen 20.00 Uhr zu den Ravern sprechen. Danach können sie auf mehr als 100 Partys bis zum Sonntag weiterfeiern. Die Veranstalter erwarteten 500.000 bis 800.000 Teilnehmer.

Laut Polizei gab es bis kurz vor dem Start der Parade keine nennenswerten Zwischenfälle. In der Nacht sei es recht ruhig geblieben, sagte eine Polizeisprecherin. So habe sich der Alkohol- und Drogenkonsum bei Autofahrern in Grenzen gehalten. 1600 Polizisten sind während des Umzugs im Einsatz, um Ausschreitungen zu verhindern. Der Malteser Hilfsdienst stellte zudem 840 Sanitäter und Ärzte bereit.

Zur Schonung der Grünflächen wurde zum ersten Mal der Tiergarten weiträumig eingezäunt. Auf diesem Weg sollen auch illegale Getränkeverkäufer ferngehalten werden. 50 Zugänge werden von etwa 400 Ordnern bewacht.

Die erste Love Parade hatte 1989 unter dem Motto «Friede, Freude, Eierkuchen» stattgefunden. Damals tanzten nur rund 150 Techno-Begeisterte auf dem Kurfürstendamm mit. In Spitzenzeiten hatte die Love Parade bis zu 1,5 Millionen Menschen angezogen. In den vergangenen Jahren nahm die Zahl der Besucher jedoch merklich ab - 2002 waren es nur noch knapp 700.000. (nz)

* zdf.de

Wenn in Berlin die Liebe regiert Hunderttausende bei der Loveparade: Eine Stadt im Techno-Fieber

"Die Liebe regiert" in Berlin

500.000 Raver feiern auf der Loveparade

Berlin ist auch an diesem Wochenende wieder "die Hauptstadt der Liebe": Mehr als 500.000 Raver haben nach Angaben der Polizei am Samstag im Tiergarten auf der Loveparade gefeiert. Unter dem Motto "Love Rules" zogen insgesamt 30 Wagen am Nachmittag über die Straße des 17. Juni.

Im vergangenen Jahr waren es 40 Trucks, die von rund 700.000 tanzenden Menschen auf der Strecke rund um die Siegessäule begleitet worden waren.

Zwei Schwerverletzte Nach Angaben der Polizei verlief die Veranstaltung bis auf zwei Schwerverletzte weitgehend ruhig. Die Veranstalter zeigten sich zufrieden mit der Parade. Zur Abschlusskundgebung hätten sich trotz Regen rund 750.000 Menschen an der Siegessäule versammelt, sagte ein Sprecher. Das seien fast genauso viele Raver wie im vergangenen Jahr.

Bis 23 Uhr sollten an der Siegessäule DJs aus aller Welt auflegen. Planetcom Geschäftsführer Ralf Regitz hatte bereits kurz nach Beginn der Parade erklärt: "Wir sind allerbester Laune." Die Parade sei wieder ein großer Erfolg. "Berlin ist an diesem Wochenende wieder die Hauptstadt der Liebe."

Zwei Menschen schwer verletzt Insgesamt verlief die Loveparade 2003 weitgehend ruhig. Wie Polizeisprecherin Alexandra Vieth erklärte, wurden bis 18.00 Uhr 32 Menschen festgenommen. Zudem habe es zwei Schwerverletzte gegeben. An der Gedächtniskirche sei ein offenbar angetrunkener Raver von einer Mauer gestürzt. Dabei habe sich der 31-jährige Mann lebensgefährliche Kopfverletzungen zugezogen. Ein weiterer Besucher sei an der Paradestrecke schwer verletzt worden, als er von einer Laterne fiel.

Der Malteser-Hilfsdienst musste bis 17.30 Uhr in 436 Fällen Hilfe leisten und 46 Menschen in die umliegenden Krankenhäuser transportieren. Um die Sicherheit während der Veranstaltung zu gewährleisten, waren rund 1.600 Polizisten und 840 Sanitäter und 45 Ärzten im Einsatz.

Weniger Schwarzhandel mit Getränken Die Paradestrecke im Tiergarten wurde in diesem Jahr erstmals weiträumig eingezäunt. Mit der Maßnahme sollten vor allem illegale Getränkehändler ferngehalten und die Grünflächen des Tiergartens geschont werden. Insgesamt gab es 50 Zugängen, die von rund 400 Ordnern bewacht wurden. Dieses Konzept habe gut funktioniert, sagte Vieth. Der Schwarzhandel mit Getränken sei wesentlich geringer gewesen als in den Vorjahren.

1989 veranstaltete Dr. Motte zum ersten Mal unter dem Motto "Friede, Freude, Eierkuchen" mit nur knapp 150 Anhängern auf dem Kurfürstendamm eine Liebes-Parade. In ihrer Blütezeit zog die Loveparade 1999 rund 1,5 Millionen Menschen an.

* bild.de

Schrumpf Parade Nur 500 000 Raver tanzten durch Berlin ..

"Nur" 500 000 Raver tanzten fröhlich durch Berlin Schrumpf-Parade

Halbnackte Menschen, dröhnende Bässe, kreischende Trillerpfeifen - eigentlich erinnerte bei der 15. Loveparade gestern in Berlin alles an die Jahre zuvor.

Doch, kaum zu übersehen: die Gemeinde der Techno-Jünger schrumpft rapide. Nur 500 000 Menschen tanzten durch die Hauptstadt - 2002 waren es über 700 000. Deutlich kleiner auch die Zahl der Techno-Laster: Statt der 40 fahrenden Partybühnen rollten nur 30 Trucks durch die Straßen. Die Loveparade, sie war die reinste Schrumpfparade!

Die Techno-Jünger sind offenbar auch deutlich in die Jahre gekommen. Anja und Marcel Marinik (beide 30) aus Hildesheim: "Wir haben unsere sechs Kinder beim Opa abgegeben. Die Love-Parade ist für uns jedes Jahr Entspannung pur!" Völlig aus dem Häuschen das Rentner-Pärchen Bob (65) und Angela Dyce (66) aus Scarborough (England): "Wir machen Kultur-Urlaub in Europa, waren erst in Prag, dann in Dresden, jetzt in Berlin. Die Loveparade ist great!

Mit einem Riesenkondom auf dem Kopf tanzte Christian Bauer (22) aus Thüringen: "Hier kann man immer wieder tolle Mädels treffen." Hat er auch Kondome in der Tasche? "Ups! Nee, habe ich vergessen."

Genauso leichtsinnig: bis gestern 18 Uhr waren schon 26 Raver von Laternen gestürzt. Mindestens zwei wurden dabei lebensgefährlich verletzt. (db/aw)

* berlin-online.de (Berliner Zeitung HP)

Hinter Gittern 4,6 Kilometer Bauzaun wurden aufgestellt, um bei der Love Parade am Sonnabend Schwarzhändler mit Bierdosen aus dem Berliner Tiergarten fernzuhalten. Damit sollen Müll reduziert und Getränkeverkäufer vor Konkurrenz geschützt werden.

Samstag, 12. Juli 2003 Bis zu 800 000 Raver erwartet / TÜV kritisiert Zaun um den Tiergarten

Brenda Strohmaier und Silke Stuck Vorfreude: Campino, Sabrina, Potter und Petrick aus Flensburg (v. l.) übten am Freitag schon mal fürs Tanzen bei der Love Parade. (Foto: Berliner Zeitung/Paulus Ponizak)

Doktor. Motte will einfach nicht mehr. Nicht, dass er, der exzentrische Erfinder der Love Parade, keine Lust mehr auf die Veranstaltung hätte. Im Gegenteil. Er verteidigt immer noch vehement seine Vision, wonach die Party einen Beitrag zum Weltfrieden leiste. Doch er kann die alljährliche Kritik an der Parade, die am Sonnabend mal wieder von 14 Uhr an durch den Tiergarten zieht, einfach nicht mehr hören. Und so platzte es am Freitag, auf der letzten Pressekonferenz vor dem Techno-Event, aus ihm heraus: "Die ganze Welt erkennt den Wert der Love Parade. Nur Deutschland und Berlin nicht", kritisiert er. Provinziell sei das.

Dabei mosern die Kritiker der Love Parade in diesem Jahr so leise wie lange nicht. Keiner regt sich sonderlich auf, dass erstmals die Messe Berlin, immerhin eine Tochter des Landes, die schrumpfende Großveranstaltung finanziell unterstützt. Und kaum einer kritisiert, dass Berlin rund 100 000 Euro für die Straßenreinigung am Morgen nach der kommerziellen Veranstaltung bezahlt. Nur der Bauzaun, mit dem die Veranstalter erstmals den Tiergarten einfrieden, der regt dann doch ein paar Menschen auf. Zum Beispiel den TÜV-Ingenieur Burkhard Benz: "Beim Übersteigen kann es zu erheblichen Verletzungen kommen", sagt er.

Der Chef von Planetcom, jener Firma, die für die Organisation der Parade zuständig ist, hält die Sorgen für unnötig: "Wenn man über einen Zaun steigt, reißt man sich schon mal die Hose auf", sagt Ralf Regitz. Ansonsten sei der Zaun aber sicher. Der Sprecher der für die Tiergarten-Party verantwortlichen Polizeidirektion 3, Peter Daube, steuert gerne entlastende Argumente bei: Der Zaun werde - auch mit Hilfe von Hunden - gesichert. Und außerdam stehe er viel zu weit weg von der Parade-Strecke, als dass Raver zum Gucken hinaufklettern wollten. In der Tat: Die Gitter stehen nicht an der Straße des 17. Juni, über die die Wagen ziehen, sondern entlang der äußeren Grenze des Tiergartens. In dem Park soll es diesmal zumindest in einem Punkt gesittet zugehen: Mit dem Zaun wollen Polizei und Organisatoren den illegalen Getränkehandel einschränken. Wasser, Bier und Cola sollen die Raver ausschließlich an rund hundert legalen Ständen erstehen - und zwar in Dosen inklusive Pfandmarke im Wert von 50 Cent. Eine Million dieser Bons hat die Messetochter Capital-Catering bestellt. Die Marken können an allen Ständen samt Dose zurückgegeben werden. Die Frage ist allerdings, ob sich euphorisierte Raver an solche Vorgaben halten. Sogar der Geschäftsführer von Capital-Catering, Ralf Kleinhenz, ist skeptisch: "Natürlich wird es sich nicht vermeiden lassen, dass auch Büchsen herumliegen, aber es ist erst einmal ein Ansatz."

Nun gut. Über den Abfall im Park regt sich sowieso kaum noch jemand auf. Der schlimmste Feind der Parade dürfte inzwischen das Wetter sein. Heftige Gewitterregen oder gar ein Sturm - und die Parade wäre ein Reinfall. Doch Tief Alfred soll gnädig mit den Ravern sein - die Veranstalter erwarten 500 000 bis 800 000. Sie werden wohl mehr Wolken als Sonne sehen, aber nur ganz selten und dann auch nur kurz im Regen stehen.

* welt.de

Loveparade wird kleiner

Hunderttausende tanzen auf der 15. Love Parade Punkt 14.00 Uhr startete die Parade mit mehr als 500.000 Teilnehmern. 34 Sonderzüge der Bahn im Einsatz mehr

Hunderttausende tanzen auf der 15. Love Parade

Punkt 14.00 Uhr startete die Parade mit mehr als 500.000 Teilnehmern. 34 Sonderzüge der Bahn im Einsatz

Ein Besucher der Love Parade tanzt vor der Berliner Gedächtniskirche.

Berlin- Trillerpfeifen, wummernde Techno-Bässe und viel nackte Haut: Mehrere hunderttausend Raver ziehen bei der 15. Love Parade friedlich durch Berlin. Unter dem Motto "Love rules" ("Liebe regiert") tanzen die Techno-Fans auf der Straße des 17. Juni durch den Tiergarten bis zur Siegessäule. Erstmals waren neben Ravern aus ganz Deutschland auch viele Jugendliche aus den osteuropäischen Nachbarländern dabei.

Die Veranstalter selbst zählen bereits kurz nach Beginn der Love Parade mehr als 500.000 Teilnehmer. Damit habe es im Vergleich zum Vorjahr keinen Besuchereinbruch gegeben, sagte Love-Parade-Sprecher Ralf Regitz. Die Polizei spricht von mehreren hunderttausend Technofans. Andere Beobachter gehen allerdings davon aus, dass die Besucherzahl möglicherweise erneut zurückgegangen ist. Bei der größten Love Parade 1999 waren in Berlin 1,5 Millionen Leute unterwegs.

Mit rund einer Million Watt beschallen die Parade-Wagen die Raver auf dem Weg zur Siegessäule. Punkt 14.00 Uhr sind die "Lovetrucks" mit den riesigen Lautsprechern am Ernst-Reuter-Platz und am Brandenburger Tor gestartet. DJs aus Deutschland, Großbritannien, Dänemark, Italien, Spanien und den Niederlanden heizen der Menge ein.

Bei Temperaturen um 24 Grad fielen bei vielen Ravern die Hüllen, zahlreiche Mädchen mit den obligatorischen Sonnenblumen im Haar tanzten barbusig. Jugendliche aus aller Welt - darunter viele Raver aus Polen, Russland, Lettland und Litauen - zeigten sich in fantasievoller Aufmachung: vom Schottenrock zu pink und knallgrün gefärbten Haaren über Plüschanzüge bis zu schwarzen Sado-Maso- Outfits samt Atem beraubend hohen Absätzen. Über den Köpfen der Feiernden wurden Nationalflaggen von Polen und Russland geschwenkt.

Der Malteser Hilfsdienst behandelte bis zum Nachmittag 102 erschöpfte und verletzte Raver, 20 von ihnen wurden wegen Kreislaufkollaps oder kleinerer Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. "Dieses Mal ist eher der Alkohol das Problem, als andere Drogen", sagte ein Malteser-Sprecher. Die Helfer waren mit insgesamt 950 Sanitätern, Ärzten und Notfallseelsorgern im Einsatz.

Die Bahn brachte in 34 Sonderzügen rund 125 000 Technojünger in die Hauptstadt, im vergangenen Jahr rollten noch 50 Sonderzüge nach Berlin. Die Züge seien zu 80 Prozent ausgelastet gewesen, sagte ein Bahnsprecher. Von den Bahnhöfen brachte die S-Bahn die Raver im Fünf- Minuten-Takt zur Parade-Strecke. Viele Raver wollten bereits am Abend, nach der traditionellen musikalischen Abschlusskundgebung mit Love-Parade-Gründer Dr. Motte an der Siegessäule, wieder nach Hause fahren.Welt.de/dpa

* zeit.de

KULTUR 12.07.2003 14:13 Dr. Motte ist sauer auf die Berliner Love-Parade-Erfinder: "Spießbürger und Kleingärtner"

Berlin (AFP) Love-Parade-Erfinder Matthias Roeingh, alias Dr. Motte, ist sauer auf die Berliner. "Niemand in Berlin will die Love Parade. Ich bin enttäuscht", sagte er laut einem Bericht des "Tagespiegels".

* faz.net

Berlin Die Love Parade tanzt um ihre Zukunft Die große Techno-Party im Namen der Liebe und leicht bekleideter Menschen geht in die 15. Runde. Wenn diesmal nicht eine halbe Million Teilnehmer nach Berlin kommen, wird dies die letzte Love Parade.

Berlin Die Love Parade tanzt um ihre Zukunft

12.Juli2003Die Love Parade lebt: Eine halbe Million Techno-Begeisterte tanzten bei der 15. Liebesparade über die Straße des 17.Juni im hauptstädtischen Stadtteil Tiergarten. Damit haben die Besucher aus dem In- und Ausland Berlin erneut zur Welthauptstadt der Raver gemacht.

Kritiker hatten zuvor vermutet, daß das diesjährige Techno-Event deutlich weniger Besucher anziehen würde, als in den vergangenen Jahren. Die Polizei sprach am späten Nachmittag von geschätzten 500.000 Teilnehmern. Das wäre die magische Zahl, von der die Love-Parade-Macher im Vorfeld die Zukunft des Techno-Umzugs abhängig gemacht hatten. Die Veranstalter Planetcom erwarteten für die Abschlußkundgebung noch ansteigende Besucherzahlen. Im vergangenen Jahr erlebten 400.000 Menschen das Event.

Schwerer Unfall

Überschattet wurde die Riesenparty von einem schweren Unfall. Ein stark alkoholisierter Mann stürzte am Breitscheidplatz von einer Mauer und wurde lebensgefährlich verletzt. In einem Krankenhaus wurde er notoperiert. Bei weit weniger dramatischen Zwischenfällen konnten die Malteser helfen - bis zum späten Nachmittag zählten sie 300 Einsätze.

Teilweise bewölkter Himmel und nicht gerade hochsommerliche Temperaturen konnten der Begeisterung der Besucher des Events unter dem Motto "Love rules" keinen Abbruch tun. Zu den stampfenden Beats aus den Lautsprechern von insgesamt 30 Liebes-Trucks tanzten die Raver - die meisten in phantasievollen und teilweise sehr freizügigen Kostümierungen - durch den Tiergarten. Zu den diesjährigen Trends gehörten unter anderem Outfits aus Kunstrasen, armlange Handschuhe mit den dazu passenden Stulpen bei den Damen sowie Schottenröcke von knöchellang bis pokurz für Männer. Zudem gehörte zum zünftigen Raver-Outfit ein ausdrucksstarkes Make-up - gern auch mit dem künstlerisch gestalteten Motto der Parade.

Umzäuntes Vergnügen

An der Siegessäule sollte es am Abend eine Abschlußkundgebung des Techno-Events geben. Love-Parade-Erfinder Dr. Motte will dann auch zur Raver-Gemeinde sprechen. Auf dem DJ-Line-Up standen so bekannte Namen wie Moguai (Deutschland), Rush (USA), Pete Tong (Großbritannien) sowie Westbam (Deutschland). Am Abend sollte in den Clubs und Diskotheken der Stadt weitergefeiert werden.

Mit einem neuen Sicherheits- und Umweltkonzept wollten die Veranstalter Schäden im Tiergarten und Müllberge verhindern. Dazu gehörte ein Zaun an der äußeren Peripherie des Tiergartens, der Denkmäler und Grünflächen an der Paradestrecke schützen und Getränke-Schwarzhändler fernhalten sollte. Der 4.600 Meter lange Bauzaun hatte 50 Zugänge über die Hauptwege und Straßen des Tiergartens.

Die erste Parade der Liebe zog 1989 über Berlins Kurfürstendamm. Mit DJ Dr. Motte tanzten damals 150 Raver unter dem Motto "Friede, Freude, Eierkuchen" durch die Innenstadt.

Weniger Sonderzüge als im Vorjahr

Wer sich kein Hotelzimmer leisten wollte, übernachtete in Jugendherbergen, auf Campingplätzen, im Auto oder einfach unter freiem Himmel. Die Bahn brachte in 34 Sonderzügen rund 125.000 Technojünger in die Hauptstadt, im vergangenen Jahr rollten noch 50 Sonderzüge nach Berlin. Die Züge seien zu 80 Prozent ausgelastet gewesen, sagte ein Bahnsprecher.

* sueddeutsche.de

Berlin im Technorausch Eine halbe Million Raver bei 15. Loveparade

12.07.2003 18:16 Uhr

Berlin im Technorausch

Eine halbe Million Raver bei 15. Love Parade

Trillerpfeifen, wummernde Techno-Bässe und viel nackte Haut: Rund eine halbe Million Raver sind am Samstag bei der 15. Love Parade friedlich durch Berlin gezogen. Unter dem Motto "Love rules" ("Liebe regiert") tanzten die Techno-Fans auf der Straße des 17. Juni durch den Tiergarten bis zur Siegessäule.

Neben Partygästen aus ganz Deutschland waren dieses Mal vor allem viele Jugendliche aus den osteuropäischen Nachbarländern und den Niederlanden dabei.

Veranstalter und Polizei sprachen am Nachmittag übereinstimmend von etwa 500 000 Teilnehmern. Damit musste die Parade im Vergleich zum Vorjahr erneut einen Besucherschwund hinnehmen.

Nach Spitzenjahren mit bis zu 1,5 Millionen Ravern tanzten im vergangenen Jahr zwischen 600 000 bis 750 000 Menschen in der Hauptstadt. In jedem Fall werde es aber auch im nächsten Jahr wieder eine Love Parade geben, sagte Parade-Sprecher Jürgen Scheunemann.

30 Lovetrucks

Mit rund einer Million Watt beschallten die 30 Paradewagen die Raver auf dem Weg zur Siegessäule. Punkt 14.00 Uhr waren die "Lovetrucks" mit den riesigen Lautsprechern am Ernst-Reuter-Platz und am Brandenburger Tor gestartet. DJs aus Deutschland, Großbritannien, Dänemark, Italien, Spanien und den Niederlanden heizten der Menge ein.

Bei Temperaturen um 24 Grad fielen trotz bewölkten Himmels bei vielen Ravern die Hüllen, zahlreiche Mädchen mit den obligatorischen Sonnenblumen im Haar tanzten barbusig.

Jugendliche aus aller Welt - darunter viele Raver aus Polen, Russland, Lettland und Litauen - zeigten sich in fantasievoller Aufmachung: vom Schottenrock zu pink und knallgrün gefärbten Haaren über Plüschanzüge bis zu schwarzen Sado-Maso-Outfits samt Atem beraubend hohen Absätzen. Über den Köpfen der Feiernden wurden Nationalflaggen von Polen und Russland geschwenkt.

Alkohol statt Extacy

Bei den Drogen hat mittlerweile der Alkohol das synthetische Rauschmittel Ecstasy abgelöst. "Die Leute schlucken weniger Pillen, aber trinken mehr", sagte eine Malteser-Sprecherin.

Der Malteser Hilfsdienst behandelte 403 verletzte Raver, 45 von ihnen wurden wegen Kreislaufkollaps oder kleinerer Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Das entspricht ungefähr den Zahlen vom Vorjahr. Die Helfer waren mit insgesamt 950 Sanitätern, Ärzten und Notfallseelsorgern im Einsatz.

Bereits in der Nacht vor der größten Technoparty der Welt wurde in den Clubs und auf den Straßen der Stadt ausgiebig gefeiert. In rund 100 Clubs gab es am Love-Parade-Wochenende größere Raves. Wer sich kein Hotelzimmer leisten wollte, übernachtete in Jugendherbergen, auf Campingplätzen, im Auto oder einfach unter freiem Himmel.

Die Bahn brachte in 34 Sonderzügen rund 125 000 Technojünger in die Hauptstadt. Die Züge seien zu 80 Prozent ausgelastet gewesen, sagte ein Bahnsprecher. Von den Bahnhöfen brachte die S-Bahn die Raver im Fünf-Minuten-Takt zur Paradestrecke.

Viele Raver wollten bereits am Abend, nach der traditionellen musikalischen Abschlusskundgebung mit Love-Parade-Gründer Dr. Motte an der Siegessäule, wieder nach Hause fahren.

(sueddeutsche.de/dpa)

* berliner-morgenpost.de

Stadtleben: Raver tanzen durch den Tiergarten 500.000 Techno-Fans lassen Love Parade leben Die Love Parade lebt: Eine halbe Million Techno-Begeisterte tanzten bei der 15. Liebesparade über die Straße des 17. Juni durch den Tiergarten. Damit haben die Besucher aus dem In- und Ausland Berlin erneut zur Welthauptstadt der Raver gemacht

Sonntag, 13. Juli 2003 500.000 Techno-Fans lassen Love Parade leben

Raver ziehen tanzend durch den Tiergarten / Unfall am Breitscheidplatz

Berlin - Die Love Parade lebt: Eine halbe Million Techno-Begeisterte tanzten bei der 15. Liebesparade über die Straße des 17. Juni mitten durch den Tiergarten. Damit haben die Besucher aus dem In- und Ausland Berlin erneut zur Welthauptstadt der Raver gemacht. Kritiker hatten zuvor vermutet, dass das diesjährige Techno-Event deutlich weniger Besucher anziehen würde als in den vergangenen Jahren. Die Polizei sprach am späten Nachmittag von geschätzten 500000 Teilnehmern. Die Veranstalter Planetcom erwarteten für die Abschlusskundgebung noch ansteigende Besucherzahlen. Im vergangenen Jahr erlebten 400000 Menschen das Event.

Überschattet wurde die Riesenparty von einem schweren Unfall. Ein stark alkoholisierter Mann stürzte am Breitscheidplatz von einer Mauer und wurde lebensgefährlich verletzt. In einem Krankenhaus wurde er notoperiert. Bei weit weniger dramatischen Zwischenfällen konnten die Malteser helfen - bis zum späten Nachmittag zählten sie 300 Einsätze.

Teilweise bewölkter Himmel und nicht gerade hochsommerliche Temperaturen konnten der Begeisterung der Besucher des Events unter dem Motto "Love rules" keinen Abbruch tun. Zu den stampfenden Beats aus den Lautsprechern von insgesamt 30 Liebes-Trucks tanzten die Raver - die meisten in phantasievollen und teilweise sehr freizügigen Kostümierungen - durch den Tiergarten. Zu den diesjährigen Trends gehörten unter anderem Outfits aus Kunstrasen, armlange Handschuhe mit den dazu passenden Stulpen bei den Damen sowie Schottenröcke von knöchellang bis pokurz für Männer. Zudem gehörte zum zünftigen Raver-Outfit ein ausdrucksstarkes Make-up - gern auch mit dem künstlerisch gestalteten Motto der Parade.

An der Siegessäule sollte es am Abend eine Abschlusskundgebung des Techno-Events geben. Love-Parade-Erfinder Dr. Motte will dann auch zur Raver-Gemeinde sprechen. Auf dem DJ-Line-Up standen so bekannte Namen wie Moguai (Deutschland), Rush (USA), Pete Tong (Großbritannien) sowie Westbam (Deutschland). Am Abend sollte in den Clubs und Diskotheken weitergefeiert werden.

Mit einem neuen Sicherheits- und Umweltkonzept wollten die Veranstalter Schäden im Tiergarten und Müllberge verhindern. Dazu gehörte ein Zaun an der äußeren Peripherie des Tiergartens, der Denkmäler und Grünflächen an der Paradestrecke schützen und Getränke-Schwarzhändler fern halten sollte. Der 4600 Meter lange Bauzaun hatte 50 Zugänge über die Hauptwege und Straßen des Tiergartens.

* taz.de

McDonalds marschiert lalalalaloveparade 85 Zeilen, WIGLAF DROSTE (Kommentar)

lalalalaloveparade

McDonalds marschiert

Das Bedürfnis, zu Klumpen geballt herumzujubeln, ist nicht totzukriegen. Seitdem es in Berlin nicht mehr durch Allierte Siegesparaden befriedigt werden kann, gibt es die Love Parade. Hier kommt die Winkelementsorte Mensch in Schweiß, hier fasst die Love Parade Berlin GmbH säckeweise Moneten ab, und nur deshalb meldet sie die organisierte Trostlosigkeit als politische Demonstration an. Hält jemand zu Recht dagegen, die lästige Angelegenheit sei so politisch wie Nasepopeln, nur leider nicht so leise, beginnt Chefmarschierer Dr. Motte alias Matthias Roeingh zu toben: "Mein Eindruck ist, dass irgendjemand versucht, die Versammlungsfreiheit zu beschränken. Das ist eine Kampfansage an uns und die Demokratie."

Kommentar von WIGLAF DROSTE

Es zählt zu den Besonderheiten der Demokratie, dass jeder Esel und jeder Halunke sich auf sie berufen darf, wenn es um seine Geschäftsvorteile geht - Matthias Roeingh ebenso wie der Rennfahrer Michael Schumacher, dessen Definition von Demokratie ebenfalls gedruckt vorliegt: "Wir leben in einer Demokratie, und jeder kann frei entscheiden, welche Sportart er machen möchte."

Dessen ungeachtet fraternisiert das politische Personal ungeniert mit dem Ramschkorso. Der Berliner Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit feierte nach seinem Amtsantritt aktiv beim Deppenkarneval mit und trug dazu eine Kappe, die mit Dauerlutschern gespickt war. Bild brachte das Foto und lobte: "Atemberaubend selber mal ein bisschen verrückt sein." So unfreiwillig schön wurde sich selbst applaudierender Konformismus selten auf den Punkt gebracht.

Verstand heißt die Hürde, die nehmen muss, wer das viel gepriesene positive Denken hinkriegen möchte. Bei Dr. Mottes Parademarsch ist das Hindernis niedrig und wird einfach überrannt. Dieser Vorgang heißt bis heute Love Parade. Andere Aufmarschierer haben von der Konsumismusparade gelernt. Als beim Christopher Street Day vor 14 Tagen die plumpe Behauptung laut wurde, eine sexuelle Orientierung sei an sich schon politisch, hatte die Homosexuellendemo die kopfmäßigen Niederungen der Love Parade endgültig erreicht. Wieder war der Regierende Bürgermeister Wowereit mit von der Party. Eingeführt hat er sich mit dem Satz: "Ich bin schwul, und das ist auch gut so!" Mittlerweile folgt er derselben abgeschmackten Massendevise wie CSD und Love Parade: Mc Donalds ist einfach gut so.

taz Nr. 7102 vom 12.7.2003, Seite 1, 85 Zeilen (Kommentar), WIGLAF

* tagesspiegel.de

Berlin Love Parade Reloaded Eine halbe Million Techno-Begeisterte tanzten bei der 15. Love Parade über die Straße des 17. Juni in Berlin. Mit dieser Teilnehmerzahl scheint das Techno-Spektakel gerettet. Ein Raver schwebt nach einem Sturz in Lebensgefahr.

Berlin Love Parade Reloaded Eine halbe Million Techno-Begeisterte tanzten bei der 15. Love Parade über die Straße des 17. Juni in Berlin. Mit dieser Teilnehmerzahl scheint das Techno-Spektakel gerettet. Ein Raver schwebt nach einem Sturz in Lebensgefahr.

(Der Tagesspiegel, 13.07.2003) - Die Raver bewahrten die Love Parade vor einem Flop. Die Polizei schätzte, dass rund 500000 Tänzer zur 15. Auflage der größten Technoparty der Welt auf die Straße des 17. Juni gekommen waren. Die Veranstalter haben 750000 gezählt. Das sind zwar erneut weniger als in den Vorjahren, doch die kritische Marge von einer halben Million Gästen wurde erreicht. Pünktlich um 14 Uhr setzten sich die 30 Liebes-Laster zu dem Motto "Love Rules" in zwei Konvois auf der Strecke in Bewegung und starteten die Musik aus ihren zusammen eine Million Watt starken Anlagen. Zwei Raver verletzten sich bei Stürzen schwer, einer schebte in Lebensgefahr. Die Polizei kontrollierte auf Bahnhöfen und Autobahnraststätten Raver auf ihrem Weg nach Berlin und stellte dabei nicht unerhebliche Mengen leichter Drogen sicher.

Die Teilnehmerzahl von 500000 ist für die Veranstalter vor allem deswegen wichtig, weil viele Sponsoren und Medienpartner nur Veranstaltungen dieser Größe interessant genug finden, um darin zu investieren. Künftige Sponsoren lassen sich leichter finden, wenn die Party diese Aufmerksamkeitsschwelle nicht unterschreitet. Polizei und Malteser Hilfsdienst hatten sich in bewährter Form auf den Großeinsatz vorbereitet. In 27 Sanitätszelten leisteten rund 900 Helfer und 40 Ärzte entlang der 3,6Kilometer langen Paradestrecke 429 Mal Erste Hilfe. 45 Raver mussten wegen Kreislaufzusammenbrüchen ins Krankenhaus.

Zum ersten Mal hatten die Veranstalter den Tiergarten weiträumig eingezäunt. Damit sollten vor allem Schwarzhändler vom Geschehen ferngehalten werden, denn mit dem Verkauf von Getränken und Fast Food soll das Saubermachen im Park bezahlt werden. Die Kosten für die Reinigung der Straße teilen sich Veranstalter und Senat. Auf den Love-Lastern und anschließend auf der Party legten insgesamt 100 DJs aus sechs Nationen auf. Die Raver kommen immer mehr aus den Ländern des ehemaligen Ostblocks. Polen, Tschechen und Gäste aus den Ländern Ex-Jugoslawiens schwenkten die Fahnen ihrer Heimatländer. Die Bahn hatte 35 Sonderzüge im Einsatz, mit denen 120000 anreisten. Auf den Autobahnen gab es bei der Anreise keine Probleme. (Von Matthias Oloew)

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